Heavy Metal im Comic

Höllenlärm im Heftformat

von MB
/
Artikel

Von Unkundigen als geistlose, latent widerwärtige Form der Unterhaltung für unkultivierte Primitivlinge geschmäht zu werden – dieses Schicksal teilen Comics und Heavy Metal schon seit langem. Das Gute daran: hat man sich mit einer Vorliebe für das eine sowieso schon aus dem Kreis ernstzunehmender Kulturmenschen herauskatapultiert, richtet es keinen Schaden mehr an, sich auch für das andere zu begeistern. In diesem Sinne präsentiert der ALLESFRESSER in den kommenden Wochen eine Auswahl an Comics, die der Hochkultur die Pommesgabel zeigen, den Lautstärkeregler voll aufdrehen und uns im Lesesessel zum Headbangen bringen.

Wie man auf Partys Mädels anspricht

Wesen von einem anderen Stern

von MB
/
Rezension

Punktgenau zur Silvesterparty erscheint im Dantes-Verlag ein Band, dessen Titel ganz praktische Lebenshilfe für schüchterne Comicnerds erwarten lässt: WIE MAN AUF PARTYS MÄDELS ANSPRICHT. Ob der Comic wirklich dazu taugt, introvertierte Bücherwürmer in enthemmte Party Animals zu verwandeln, darf eher bezweifelt werden. Lesenswert ist er aber allemal; immerhin bekommt man eine romantisch flirrende, surreale Geschichte geboten, mit viel Siebziger-Jahre-Flair und ein paar ziemlich seltsamen Mädchen.

Die Frau im Nebel

Grader’s Nightmare

von MB
/
Rezension

Exit Games liegen voll im Trend: die halbe Welt hat offensichtlich ihren Spaß daran, sich schnippelnd, faltend und grübelnd durch mehr oder weniger sinnreiche Rätselgeschichten zu arbeiten. Kein Wunder also, dass es mit DIE FRAU IM NEBEL inzwischen auch ein Exit Game in Comicform gibt. Wie bei den meisten konventionellen Vertretern des Genres muss man aber leider auch hier das Spielmaterial in einen Haufen geschredderten Altpapiers verwandeln, um alle Antworten zu finden. Welche Schmerzen muss das in einem Comicsammler auslösen, der normalerweise schon bei leichten Abnutzungsspuren an seinen Büchern in Panik verfällt? Der ALLESFRESSER wagt die Probe aufs Exempel!

Ausstellung „Faces of the Batman“

Fledermaus im Unterland

von MB
/
Veranstaltungen

Wenn es eine schwäbische Entsprechung von Gotham City gibt, dann ist das ganz offensichtlich Heilbronn. Düstere, von grotesken Wasserspeiern gekrönte Art Deco-Wolkenkratzer, vom steten Heulen der Polizeisirenen durchzogene Häuserschluchten, in die das ganze Jahr kein Sonnenstrahl fällt, und ein durch und durch korruptes Gemeinwesen wird man hier zwar eher nicht antreffen, aber immerhin ein paar garstige Industriegebiete und eine Ansammlung seelenlos-grauer Nachkriegsbauten, die als Innenstadt bezeichnet wird.

Naheliegend also, dass gerade hier, in der Metropole des Unterlands, eine großartige Ausstellung stattfindet, die sich Batman in all seinen multimedialen Erscheinungsformen widmet – und auch für den kundigen Fledermausfreund noch einige Entdeckungen bereithält.

Ein sehr persönliches Reisetagebuch vom 20. Internationalen Comic-Salon Erlangen

Der Salon in 22 Szenen (1)

von MB
/
Veranstaltungen

Der am 19. Juni zu Ende gegangene 20. Internationale Comic-Salon Erlangen zeichnete sich gleich durch eine ganze Reihe von Spitzenwerten aus: 30.000 Besucherinnen und Besucher, 36°C im Schatten, vor allem aber beste Stimmung bei allen Beteiligten. Kein Wunder, war die deutschsprachige Comicszene doch nach vier langen salonlosen Jahren begierig darauf, sich endlich wieder zu treffen und die gemeinsame Leidenschaft für das Erzählen mit Bildern zu feiern. Der ALLESFRESSER schließt sich der allgemeinen Begeisterung an und zieht ein ganz persönliches Fazit – in Form eines Reisetagebuchs in 22 Szenen. Der erste Teil präsentiert die Highlights der Salon-Tage Donnerstag und Freitag.

Original und Fälschung (1)

Sally‘s Girls

von MB
/
Hintergrund

Nach 40.000 Jahren menschlichen Kulturschaffens gibt es bekanntlich nichts wirklich Neues mehr zu erfinden. Bestenfalls können wir das Altbekannte neu abmischen, verrühren und kräftig nachwürzen, so dass es unseren elaborierten heutigen Geschmack trifft.
Ganz besonders gilt das für die Comics, die wir in unserer neuen Reihe „Original und Fälschung“ vorstellen. Gleich im ersten Teil entlarvt der ALLESFRESSER, dass einer der meistgefeierten Comics der letzten Jahre nur das freche Plagiat eines alten Klassikers ist.

Contrapaso - Die Kinder der Anderen

Weil es die Wahrheit ist

von Klaus
/
Rezension

Mit der Wahrheit ist es so eine Sache: Einerseits bekommt jedes Kind beigebracht, dass man sie immer sagen soll. Andererseits merken die meisten schnell, dass man damit nicht immer am besten fährt. Und geradezu gefährlich wird das Beharren auf der Wahrheit in einer Diktatur, die lieber selbst bestimmt, wie ihre Bürger die Welt wahrnehmen sollen. In Teresa Valeros CONTRAPASO müssen das zwei Ermittler im franquistischen Spanien am eigenen Leib erleben.

Save It for Later

Vom Aufstehen und Einstehen

von MB
/
Rezension

Heute vor einem Jahr erlebte die US-Demokratie eine ihrer schwärzesten Stunden: aufgehetzt von einem abgewählten Präsidenten stürmte ein wütender Mob das Kapitol und blies nicht nur zum Angriff auf die dort tagenden Volksvertreter, sondern auf das demokratische Staatswesen an sich. Wie es so weit kommen konnte, beschreibt Nate Powell in seinem Comic SAVE IT FOR LATER – und er macht sich Gedanken darüber, wie man es in Zeiten von Autoritarismus, Desinformation und offenem Hass schafft, seine Kinder zu anständigen Menschen zu erziehen.

Gorillas im Nebel (2)

Welcome to the Jungle

von Klaus
/
GorillasVeranstaltungen

Die erste Con vergisst Du nie: Ausgerechnet in Corona-Zeiten hat sich unser Redaktionsmitglied Klaus zum allerersten Mal im Leben auf eine Comic Con getraut – und gestaunt über die seltsam-wunderbare Welt, die sich ihm dort eröffnete. Seinen streng wissenschaftlichen Expeditionsbericht veröffentlichen wir als Teil zwei unserer Serie GORILLAS IM NEBEL, in der wir Comic-Newbies auf ihren ersten Schritten in die Welt der bunten Bilder begleiten.

Dracula, motherf**ker!

#alterweißerBeißer

von MB
/
Rezension

Das Unheimlichste an Halloween war auch dieses Jahr wieder, dass eigentlich vernünftig erscheinende Menschen wie auf ein geheimes Signal hin die Supermärkte stürmten, um willenlos beträchtliche Beträge für Plastikskelette und Kürbisdeko auf den Tisch zu legen. Wer den telepathischen Befehlen aus den Marketingabteilungen widerstanden hat, sich der jahreszeittypischen Gruselfolklore aber doch nicht ganz entziehen möchte, investiert sein Geld lieber in einen guten Horrorcomic. In DRACULA, MOTHERF**KER! von Alex de Campi und Erica Henderson zum Beispiel – einen wild-wüsten, sehr zeitgemäßen und höchst unterhaltsamen Abgesang auf den toxischen Transsilvanier.

Walpurgis naht
Hexencomics - der (un)heimliche Trend

Walpurgis naht!

von MB
/
HintergrundRezension

Derart rücksichtlos sind die Zombiehorden in den letzten Jahren durch die Welt des Horrorcomics gewalzt, dass kaum noch Platz blieb für all die anderen liebgewonnenen Archetypen des Genres: Mumien, Werwölfe, Sumpfmonster, Skelette, Fischmenschen, ätzende Gallertblöcke und sogar die guten alten Vampire wurden rüde an den Rand der Wahrnehmung gedrängt. Eine bemerkenswerte Ausnahme gibt es allerdings: Ausgerechnet Hexen haben zuletzt ihre ganz eigene Nische im Comicmarkt gefunden.

Die ALLESFRESSER-Redaktion hat sich mutig durch Spinnenbein und Krötenschleim gekämpft und stellt in einem Countdown zur Walpurgisnacht die spannendsten, schrägsten und unheimlichsten Beispiele vor.

Die San Diego Comic Con als ComicCon@Home

Digital Diego

von MB
/
Veranstaltungen

Mit seiner Verlagerung in den digitalen Raum befindet sich der Comic-Salon Erlangen in bester Gesellschaft: Auch andere renommierte Comicveranstaltungen finden dieses Jahr corona-bedingt nur im Internet statt. Allen voran die Mutter aller Conventions, die legendäre San Diego Comic Con, die ab kommenden Mittwoch einen bunten Strauß an Workshops, Panels und Präsentationen per Livestream in die Welt hinaussendet. Ein echter Ersatz für den irrwitzig-bunten Trubel vor Ort ist das natürlich nicht, aber immerhin bietet es uns Euronerds die Möglichkeit, ganz ohne klimaschädlichen Interkontinentalflug ein bisschen Con-Atmosphäre zu schnuppern.
Der ALLESFRESSER hat das Programm gesichtet und sagt Euch, welche Highlights man nicht verpassen darf!

Gedankenspiele auf unserer Facebook-Seite

Wenn heute Comic-Salon wäre…

von MB
/
ArtikelVeranstaltungen
Levin Kurio präsentiert KAMANDI

Schmale Regale (1)

von MB
/
ArtikelSchmale Regale

Wenn man den Futurologen und Urbanisten glauben darf, wird sich der Trend zur Landflucht auch in den kommenden Jahren ungebremst fortsetzen, bis wir schließlich alle in den Megacities dieser Welt millionenfach dicht an dicht in winzigen, aber hocheffizienten Zwölf-Quadratmeter-Kapselwohnungen aufeinanderhocken. Was schon für Normalsterbliche eine befremdliche Vorstellung sein dürfte, versetzt den Comicsammler in schiere Panik: Für die zwanzigbändigen Blueberry-Chroniken, die Spirou-Komplettausgabe und die Longboxen mit der Detective Comics-Sammlung ist ganz buchstäblich kein Platz in einem solchen Leben.
Der ALLESFRESSER spielt das Gedankenexperiment einmal durch und fragt Comicschaffende aus allen Bereichen: Wenn Euer Regal nur noch Platz für einen einzigen Comic hätte – welcher wäre das, und warum?

Den Auftakt macht Levin Kurio von WEISSBLECH COMICS.

Omaha the Cat Dancer

Die sieben Leben der Omaha

von MB
/
Rezension

Dass Katzen sieben Leben haben, weiß man ja schon länger. Und offensichtlich gilt das auch für Katzencomics: Die legendäre Reihe OMAHA THE CAT DANCER jedenfalls war schon mehr als einmal komplett von der Bildfläche verschwunden – nur um früher oder später wieder jung und frisch um die Ecke geschlichen zu kommen. Jetzt hat erstmals eine deutsche Ausgabe das Licht der Welt erblickt, und sie präsentiert OMAHA, wie man sie kennt: eigenwillig, unterhaltsam – und überhaupt nicht jugendfrei.

Wie Superhelden uns durch die Krise helfen

Maske auf!

von MB
/
Hintergrund

Noch ringen die Politiker mit sich und -einander, aber die Entscheidung scheint unvermeidlich: Bald muss jeder, der die eigenen vier Wände verlässt, eine Mund- und Nasen-Bedeckung tragen, oder wie man als normaler Mensch sagen würde: eine Maske. So sinnvoll das aus pandemologischen Gründen auch sein mag – zu einem stilsicheren Erscheinungsbild tragen die meisten Modelle, die man grade auf den Straßen so sieht, eher nicht bei.
Zum Glück kennen wir als Leser von Superheldencomics genügend Beispiele, die ihren Träger nicht nur schützen, sondern auch durch ihr Design zu überzeugen wissen. Der ALLESFRESSER stellt die wichtigsten Vertreter vor und testet sie auf ihre Corona-Tauglichkeit.

Kumasi J. Barnett bei der Armory Show in New York

Black-Man und die Cops in Amerika

von MB
/
Veranstaltungen

Wer sich im Schnelldurchgang einen Überblick über die wichtigsten Positionen zeitgenössischer Kunst verschaffen will, der muss zur Armory Show in New York: Führende Galerien aus aller Welt präsentieren hier dicht an dicht wegweisende Werke aktueller Künstler. Mittendrin ist diesmal Kumasi J. Barnett, der sich in seinen Werken intensiv mit aktuellen sozialen Fragen auseinandersetzt – und das mit einem gerade für Comicleser äußerst verblüffenden Medium.

Birding für Ahnungslose

Von Käuzen und Menschen

von MB
/
Rezension

Anscheinend herrscht ja gerade intensiver Rückreiseverkehr auf den Hauptflugrouten nach Mitteleuropa: Viele Zugvögel haben bemerkt, dass sie sich in diesem milden Winter die beschwerliche Reise in den Süden eigentlich hätten sparen können, und machen sich vorzeitig auf den Heimweg. Wer die gefiederten Heimkehrer angemessen begrüßen möchte, aber einen Star nicht von einem Kiebitz unterscheiden kann, kann sich mit dem wunderbaren Sachcomic „Birding für Ahnungslose“ die notwendigen Grundlagen verschaffen.

Gorillas im Nebel (1)

KLAUS schreibt über KLAUS

von Klaus
/
GorillasRezension

Der Mythos von Santa Claus speist sich aus vielen Quellen: Vom Bischof Nikolaus von Myra über Father Christmas als Rentierschlittenlenker, den deutschen Weihnachtsmann, Herrn Winter, Sinterklaas bis hin zur Coca-Cola Werbefigur von 1931. KLAUS, der Super-Santa des Schotten Grant Morrison und des Costa Ricaners Dan Mora, fällt da gar nicht so sehr aus dem Rahmen, wie man zunächst annehmen möchte, und erzählt endlich die wahre Geschichte vom Ursprung all dieser Mythen…

Neue Serie auf dem ALLESFRESSER

Gorillas im Nebel

von MB
/
GorillasHintergrund

Die Population der Comicfans bildet eine verschworene Gemeinschaft. Ihre Mitglieder pflegen ihr gemeinsames Hobby intensiv und schon seit früher Kindheit, weshalb sie sich sicher und routiniert durch das Dickicht aus Neuerscheinungen, Back-Issues und Flohmarktfunden bewegen. Mit ihren rätselhaften Ritualen und einer für Außenstehende unverständlichen Sprache schotten sie sich gegen Eindringlinge ab und sichern ihr Revier.
Nur selten traut sich daher ein Unerfahrener in dieses Biotop – aber hin und wieder kommt es tatsächlich vor. In unserer neuen Serie GORILLAS IM NEBEL begleiten wir solche Comic-Newbies auf ihrem Weg durch den Dschungel und lassen sie berichten, wie sie es schaffen, zwischen Comicladen, Signierstunde und Festival nicht die Orientierung zu verlieren.

Die 10 besten Batman-Stories aller Zeiten

The Best of the Bat – Teil 1

von MB
/
Hintergrund

Wer sich einen Überblick über die besten Batman-Geschichten aller Zeiten verschaffen möchte, hat es eigentlich nicht schwer: Mit Google & co. findet man im Internet ca. 82.400 entsprechende Listen, an denen man sich orientieren kann. Leider sind die alle rein subjektiv und vollkommen unzuverlässig, weshalb es höchste Zeit ist, dass der ALLESFRESSER seine eigene, strikt nach wissenschaftlichen Kriterien erstellte Top Ten der Batman-Stories präsentiert. In der finden sich einige anerkannte Klassiker und alte Bekannte wieder – aber auch ein paar Überraschungen.

Internationaler Batman-Tag 2019

Wieviel Batman braucht der Mensch?

von MB
/
Hintergrund

Für sein Alter hat er sich ganz gut gehalten: Am 21. September, dem internationalen Batman-Tag, feiert der Dunkle Ritter seinen 80. Geburtstag, und an den Ruhestand ist noch lange nicht zu denken. Grund genug für den ALLESFRESSER, den Fledermausmann in den kommenden Wochen in einer Reihe von Beiträgen zu würdigen. Los geht’s mit einem Exklusivinterview mit Steffen Volkmer von Panini Comics, der uns erzählt, was die ungebrochene Faszination der Figur ausmacht, wie man zwischen Standard-, Luxus-, Sonder- und Sammlerausgaben den Überblick behält und was der Panini-Verlag zum Jubeltag für uns vorbereitet hat.

Sabrina

Apathie im Schraubstock

von MB
/
Rezension

Als Nick Drnasos SABRINA vor einem Jahr als erste Graphic Novel überhaupt für den renommierten Man Booker-Preis nominiert wurde, sorgte das für ein ziemliches Presseecho – was einerseits offenbart, dass der Kulturbetrieb den Comic zwar nicht mehr wie früher konsequent ignoriert, andererseits aber auch, dass es immer noch als bemerkenswerte Ausnahme wahrgenommen wird, wenn einmal einer echte literarische Qualitäten zeigt. Nun erscheint das Buch auf deutsch – und zeigt, dass der Roman, den eine Gesellschaft gerade braucht, auch mal ein Comic sein kann.

Comic-Workshop in Tübingen

Vom Spruchband zur Sprechblase

von Rapho
/
Veranstaltungen

Was haben mittelalterliche Kirchenfenster oder Holzschnitte mit dem Comic, wie wir ihn heute kennen, zu tun? Inwiefern lassen sich mittelalterliche Darstellungen wie Comics lesen, und wie nehmen Comics heute das Mittelalter in den Blick? Diesen und ähnlichen Fragen ging am 26. und 27. April 2019 an der Universität Tübingen der Workshop „Vom Spruchband zur Sprechblase. Comics des Mittelalters – Mittelaltercomics“ auf den Grund. Der ALLESFRESSER war vor Ort und versucht sich an einem Überblick.

Graphic Novels in der Galerie Stihl Waiblingen

Von Eisner bis zum Drachenei

von Rapho
/
Veranstaltungen

Spätestes mit den großen Comic-Ausstellungen in der Frankfurter Schirn und in der Bundeskunsthalle in Bonn hat der Comic auch in Deutschland seine Museumstauglichkeit bewiesen. Aber auch in kleineren Häusern gibt es immer mal wieder interessante Comic-Ausstellungen zu sehen – aktuell etwa in der Galerie Stihl in Waiblingen, die sich der Graphic Novel im deutschsprachigen Raum widmet. Wer die über 300 sehenswerten Exponate noch bewundern will, muss sich allerdings sputen: Am 6. Januar öffnet sie zum letzten Mal ihre Tore.

Guter Junge

Weihnachten bei den Waynes

von MB
/
Rezension

Wenn der Duft von Weihnachtsgebäck und flackernder Kerzenschein die Stube erfüllen, geht mit den Autoren von Superheldencomics etwas Erstaunliches vor: Unvermittelt holen sie ihre Schützlinge heim aus den ewig tobenden, episch-blutigen Schlachten mit außerirdischen Weltenzerbrechern und packen sie in Geschichten, die vor Warmherzigkeit noch den letzten Schnee schmelzen lassen. Besonders gut funktionieren diese Stories erstaunlicherweise mit dem bärbeißigsten aller Helden, Batman himself. Auch dieses Jahr legt DC uns wieder eine Geschichte mit dem Dunklen Ritter unter den Baum, mit der man sich wunderbar die Zeit bis zur Bescherung vertreiben kann.

Am liebsten mag ich Monster

Der Trost von Ungeheuern

von MB
/
ArtikelRezension

Wenn wie aus dem Nichts eine auch in Fankreisen vollkommen unbekannte Zeichnerin im Alter von 55 Jahren ihr Comicdebüt abliefert, für begeisterte Leser und euphorische Kritiken sorgt und alle wichtigen Preise der Branche abräumt, darf man das ohne Übertreibung als Sensation bezeichnen. Jetzt ist Emil Ferris’ Überraschungserfolg AM LIEBSTEN MAG ICH MONSTER auf deutsch erschienen – und zeigt, dass die über den Atlantik herübergewehten Lobeshymnen voll und ganz gerechtfertigt sind.

Black Hammer

Familienaufstellung mit Alien

von MB
/
Rezension

Jeff Lemire als vielseitigen Comicschaffenden zu bezeichnen wäre, als würde man sagen, Superman sei ein ziemlich kräftiger Kerl. Die enorme künstlerische Bandbreite des kanadischen Zeichners und Autors erstreckt sich von den ruhigen, sensibel erzählten Geschichten aus dem ländlichen Kanada, mit denen er vor etwas mehr als zehn Jahren debütierte, über eigenwillige Fantastik wie SWEET TOOTH oder den UNTERWASSERSCHWEISSER bis zu Mainstream-Superheldencomics für Marvel und DC. Mit BLACK HAMMER bringt er nun die scheinbar widersprüchlichen Seiten seines Schaffens zur Deckung und liefert, kenntnisreich und melancholisch, seine ganz persönliche Sichtweise auf die Superheldencomics des Golden Age.

Silvester 2017

Reboot mit Raketen

von MB
/
Hintergrund

Schon erstaunlich, welche magischen Kräfte wir auch heute noch dem Jahreswechsel zubilligen: Alle Misserfolge, Enttäuschungen und Verfehlungen des vergangenen Jahres werden mit den heute Nacht Schlag zwölf in den Himmel geschossenen Raketen pulverisiert, so dass wir anschließend in einem blütenfrischen Neuen Jahr von derartigen Altlasten befreit wieder durchstarten können. Wer Superheldencomics liest, dem dürfte das bekannt vorkommen: Man nennt es Reboot.

Kill Or Be Killed

Von inneren und äußeren Dämonen

von MB
/
Rezension

Wer sich für intelligent erzählte Hochspannungskrimis interessiert, kommt an Ed Brubaker und Sean Phillips nicht vorbei. Mit der legendären Serie Criminal haben die beiden das Genre des Noir-Comics auf höchstem Niveau neu definiert, in Sleeper oder Fatale durch die Kreuzung mit Superhelden- und Horrorcomic um faszinierende Facetten bereichert. In ihrer neuen Reihe Kill Or Be Killed wagen sie sich nun auf das verminte Gelände des Selbstjustiz-Thrillers und stellen einige unbequeme moralische Fragen.

Providence

Monstrositäten der Metaebene

von MB
/
Rezension

Wenn Alan Moore und Jacen Burrows den Leser auf eine Reise durch Neuengland nehmen, bekommt man von den üblichen touristischen Attraktionen nicht besonders viel zu sehen. Statt farbenprächtiger Sonnenuntergänge, ehrwürdiger Kolonialarchitektur und Indian Summer präsentieren sie düstere, seltsam abweisende Küstenstädte, zusammengesetzt aus windschiefen Holzhäuschen, hinter deren blinden Fenstern namenlose Schrecken lauern. Man ahnt es schon: sie wandeln auf den Spuren von H.P. Lovecraft, der den Landstrich im Nordosten der USA mit seinen Horrorgeschichten unsterblich gemacht hat. Oder sollte man eher sagen: untot?

Tales from the Loop – Things from the Flood

Retrofuturismus auf Schwedisch

von Heiks
/
Rezension

Gesellschaftliche Utopien zu entwickeln traut sich dieser Tage kaum jemand. Macht nichts, der kreative Geist kann sich ja der Vergangenheit zuwenden. Simon Stålenhag entführt in ein Schweden der 80er Jahre, das es so nie gegeben hat. Seine beiden Bände „Tales from the Loop“ und „Things from the Flood“ zeigen eine Kindheit im Schatten einer geheimnisvollen wissenschaftlichen Anlage – „The Loop“.

Alan Moore hat genug

Sag zum Abschied leise Iä!

von MB
/
Hintergrund

In Zeiten, zu denen es sich sogar Päpste erlauben, die Vorzüge des Pensionärsdaseins zu genießen, sollte es keiner besonderen Erwähnung wert sein, wenn sich ein Comicautor in den Ruhestand verabschiedet. Dass Alan Moores entsprechende Ankündigung dennoch beträchtliche Wellen geschlagen hat, zeigt, dass er nach wie vor einer der ganz fetten Karpfen im Teich ist.
Zum Abschied führt er uns nun noch einmal durch die unheimlichen Welten von HP Lovecraft – und versammelt ein letztes Mal eine Gruppe guter alter Bekannter.

Netflix kauft ein

Millarworld statt Marvelverse

von MB
/
Hintergrund

Dem Comic-Autor Mark Millar wird schon seit längerem unterstellt, er beackere nur deshalb so fleißig den kargen Boden der Comicbranche, weil er darauf vertraut, dass immer mal wieder eines seiner Pflänzchen bis in den Himmel des wesentlich lukrativeren Film- und Fernsehbusiness’ aufschießt. Sollte an diesen Vorwürfen etwas dran sein, müsste man dem Schotten nun wohl dazu gratulieren, dass sein Plan endgültig aufgegangen ist: Medienberichten zufolge hat er seinen Verlag Millarworld, in dem seine eigenen Kreationen seit 2004 erscheinen, nun für eine Summe zwischen 50 und 100 Millionen Dollar an Netflix verkauft.

Comicfestival München 2017

Auf den Bänken, zwischen den Stühlen

von MB
/
Veranstaltungen

Ob das Münchner Comicfestival die größte der vielen kleinen Veranstaltungen ist, die es inzwischen für Comicfreunde in Deutschland gibt, oder doch eher – Stichwort Erlangen – die kleinere der beiden großen, können wahrscheinlich nicht einmal die Veranstalter so genau sagen. Je nachdem, welche Kriterien man anlegt, kann das Urteil ganz unterschiedlich ausfallen: Einem beachtlichen Programm und prominenten Gästen auf der Habenseite stehen erstaunlich geringe Besucherzahlen und unübersehbare organisatorische Schwächen gegenüber.

Das Graphic Novel-Programm der Stadtbibliothek Stuttgart

Bilderbücher für die Bildungsbürger

von MB
/
Veranstaltungen

Die Stuttgarter Stadtbibliothek entwickelt sich mehr und mehr zur Anlaufstelle für Comicfans: fast monatlich finden dort interessante Lesungen, Werkstattgespräche und Buchpräsentationen statt. In den vergangenen Monaten waren unter anderem etablierte Stars der Szene wie Francois Schuiten oder Guy Delisle, aber auch aufstrebende junge Künstler wie der Italiener Zerocalcare mit seinem hochgelobten Reportagecomic „Kobane calling“ zu Gast.