Salon der 7 Schmerzen (1)
Ein Rückblick auf den 22. Internationalen Comic-Salon Erlangen
Ein Rückblick auf den 22. Internationalen Comic-Salon Erlangen
Mehr als zwei Wochen ist er nun schon wieder her, der Comic-Salon Erlangen – und immer noch fluten Künstler*innen, Besucher*innen und anderweitig Beteiligte die sozialen Medien mit ihrer Begeisterung über diese wunderbaren Festtage der Comickultur. Weil der ALLESFRESSER aber weiß, dass jede Leidenschaft immer auch mit Schmerz verbunden ist, widmet er seinen persönlichen Rückblick zur Abwechslung mal diesem Aspekt. Also Achtung: Jetzt kann es gleich ein bisschen wehtun.
Prolog: Der erste der 7 Schmerzen
Schon im Herbst 2024 machten beunruhigende Gerüchte die Runde: Um die Finanzen der Stadt Erlangen sei es derart schlecht bestellt, dass es nicht ohne Konsequenzen für den Comicsalon bleiben könne. Wie diese aussehen könnten, darüber wurde fleißig spekuliert, und die Skeptiker und Schwarzmaler übertrafen einander mit ihren Prognosen: Der Comic-Salon wird ausfallen! Der Comic-Salon wird stattfinden, aber nicht in Farbe, sondern nur in Schwarzweiß! Der Comic-Salon wird von den schönen Zelten in der Stadtmitte verlegt in den dunklen Keller der Heinrich-Lades-Halle!
Tatsächlich war die finanzielle Situation von Erlangen noch dramatischer als die vieler anderer Kommunen. Durch zurückgehende Gewerbesteuereinnahmen, vor allem aber durch Steuerrückzahlungen in hohem Umfang, fehlten gegenüber der Haushaltsplanung plötzlich 130 Millionen Euro in der Stadtkasse. Stadtverwaltung und Gemeinderat waren zu harten Entscheidungen gezwungen, rangen sich letzten Endes aber dazu durch, den Comic-Salon trotz allem stattfinden zu lassen – im Wissen um seine Bedeutung für die Comicszene im deutschsprachigen Raum. Ganz sicher keine Selbstverständlichkeit in dieser Situation, und wer es noch nicht getan hat, darf den Verantwortlichen für diese Entscheidung durchaus noch einen Geschenkkorb oder wenigstens ein paar nette Worte vorbeischicken.

Jubel und Applaus, als klar war: Der Comic-Salon wird stattfinden! © Internationaler Comic-Salon Erlangen / Isabel Kreitz / Reprodukt
Heute kann man sagen: Alles nochmal gut gegangen – und falls doch an der einen oder anderen Ecke gespart wurde, gelang es so, dass man als Besucher*in nicht viel davon mitbekommen hat. Trotzdem: bis klar war, dass der Comic-Salon in gewohnter Form stattfinden wird, führten Nackenverspannungen und Zähneknirschen zu ordentlichem ZIEHEN IM HALS- UND KIEFERBEREICH.
Einordnung auf der Schmerzskala: 3 von 10

Tag 1: Der zweite der 7 Schmerzen
Pünktlich am Donnerstag um neun macht sich die bewährte Reisegruppe auf den Weg nach Erlangen. Und wie das so ist, wenn man mit Salon-Profis verreist: Es sind jede Menge großformatige, maximal zur Hälfte gefüllte Koffer und Reisetaschen mit dabei. Man muss ja schon mal einplanen, wie man die ganzen zu erwartenden Einkäufe mit nach Hause bringt. Wenn es sich beim Transportmittel aber um einen japanischen Kleinwagen handelt, bedeutet das, dass nicht besonders viel Platz für die mitreisenden Personen bleibt und man sich mit den zwischen den Gepäckstücken verbleibenden Hohlräumen begnügen muss.

Das Ziel in Sichtweite, die Waden im Krampf. Foto: ALLESFRESSER
Durch eine Mischung aus Körper-Origami und entspanntem Hineinfließen klappt das erstaunlich gut – jedenfalls bis kurz vor Erlangen, als das zweistündige Verharren in gewöhnungsbedürftiger Haltung dann doch zu einem SPONTANEN WADENKRAMPF führt.
Einordnung auf der Schmerzskala: 4 von 10

Zum Glück sind schon kurze Zeit später alle Schmerzen verflogen. Spätestens wenn man inmitten andrer Comicbegeisterter die Hauptstraße entlangspaziert, an jedem zweiten Haus ein Comic-Salon-Plakat hängt, über einem die bunten Fahnen mit dem Salon-Schriftzug flattern und schließlich die Zelte in den Blick geraten, in denen sich die Verlage präsentieren, setzt die euphorisierende Wirkung ein, die der Comic-Salon jedes Mal aufs Neue auslöst. Wenn man es mal unter dem Stichwort Mental Health sieht, müssten eigentlich die Krankenkassen die Kosten fürs Festivalticket übernehmen!

Fröhlicher Salon-Trubel in der Innenstadt. Foto: Erich Malter 2026 © Internationaler Comic-Salon Erlangen
Der erste Tag dient dann auch ganz dazu, emotional anzukommen und möglichst viel Salon-Atmosphäre aufzusaugen. Zum Beispiel mit einem ersten Rundgang durch die Zelte und den Schlossgarten, der wieder das Herz der Veranstaltung darstellt. Etwa alle fünf Meter läuft man guten Bekannten über den Weg, alten Freundinnen und Freunden – und auch ein paar neuen: in diesem Fall der POW!-Familie, die mich beim Vorgespräch für unseren gemeinsamen Podcast-Auftritt ganz herzlich aufnimmt.
Perfekt abgerundet wird der Tag durch ein Abendessen mit Blogger*innen, Podcaster*innen und den Aktiven des Comicmuseums Erlangen, dieses verdienstvollen Projekts, dem einst auch Markus Söder medienwirksam seine Unterstützung zugesagt hatte. Das muss gewesen sein, als er noch Bäume umarmte, also lange vor seiner Foodblogger-Karriere – und damit in vorgeschichtlichen Zeiten. Kein Wunder, dass er sich nicht mehr so gut daran erinnern kann.
Bevor der Abend zu lang, zu ausgelassen und zu bierhaltig wird, mache ich mich dann diszipliniert auf den Rückweg ins Hotel. Die Schmerzskala muss ja nicht gleich am ersten Abend voll ausgereizt werden, und am Freitag stehen auch noch ein paar Aufgaben an, die ein Mindestmaß an Leistungsfähigkeit brauchen. Aber dazu mehr in Folge 2!