Salon der 7 Schmerzen (3)
Ein Rückblick auf den 22. Internationalen Comic-Salon Erlangen
Ein Rückblick auf den 22. Internationalen Comic-Salon Erlangen
Das Ende naht – zumindest das Ende des 22. Comic-Salons im dritten Teil dieses Reiseberichts. Aber bis dahin gibt es noch einiges zu berichten; zum Beispiel über singende Diktatoren, ein hochkomprimiertes Sonntagsprogramm und den rosasten Stoffbeutel der Salongeschichte.
Zur Vorbereitung auf den Comic-Salon gehört es natürlich, das eigene Programm gewissenhaft zu planen. Ansonsten ist die Gefahr viel zu groß, dass man hoffnungslos verloren geht zwischen buchstäblich hunderten von Vorträgen, Gesprächsrunden, Ausstellungseröffnungen und Signierstunden. Aber so wahr das auch ist: Die schönsten Erlebnisse sind doch häufig die, die ganz ungeplant geschehen. Zum Beispiel, wenn man sich am späteren Abend zurück Richtung Hotel schleppt und dabei an der Ausstellung des Jaja-Verlags vorbeikommt, wo trotz der späten Stunde noch ordentlich was los ist – bei Getränken, Gesprächen und überraschenden musikalischen Aufführungen. Da wird die Comic-Salon-Atmosphäre, die die ganze Stadt durchdringt, plötzlich auf schönste Weise greifbar!

Selten hat er besser in die Zeit gepasst als heute, der PAPA DICTATOR-Song. Foto: ALLESFRESSER
Tag 4: Der sechste der 7 Schmerzen
Eigentlich könnte man es am Sonntag ja locker auslaufen lassen und den Abschlusstag des Salons ganz entspannt genießen, mit einem kühlen Getränk im Schlossgarten herumhängen und den fröhlichen Trubel ringsherum beobachten. Andererseits ist es halt die letzte Chance, alle Ausstellungen, die man bisher verpasst hat, noch schnell zu besuchen, bei allen Verlagen vorbeizuschauen, die beim Schlendern durch die Hallen zu kurz gekommen sind, sich bei allen Künstler*innen in die Signierschlange zu stellen, die man nicht so schnell wieder zu sehen bekommt, und vielleicht sogar noch einen Abstecher zur ominösen Halle D zu machen – dem räumlich gar nicht so weit entfernten, von der Wahrnehmung her aber trotzdem etwas abgelegenen Veranstaltungszentrum KUBIC, in dem ein großer Teil der unabhängigen Künstler*innen diesmal untergebracht ist. Selbstverständlich entscheide ich mich bei dieser Auswahl für die „Einmal mit Allem“-Variante – und die funktioniert sogar erstaunlich gut.

Wilhelm Ebbinghaus (1864 – 1951): Die Vertreibung der Salonbesucher*innen aus dem Schlossgarten
Aber egal, wie man es angeht und wieviel man auch hineinstopft in diesen Abschlusstag: irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die Koffer gepackt werden müssen. Und spätestens wenn dann der Kofferraumdeckel zufällt, lässt es sich auch nicht mehr verdrängen: Für die nächsten zwei Jahre war es das jetzt erst einmal mit der Comic-Salon-Herrlichkeit. Oder, wie es Christian Gasser bei der Max und Moritz-Gala so schön ausgedrückt hat: 63 Millionen Sekunden müssen wir nun ohne unser liebstes Festival dahinvegetieren. Der VERLUSTSCHMERZ, den diese Erkenntnis auslöst, ist massiv, und hält die ganze Rückfahrt über an.
Einordnung auf der Schmerzskala: 10 von 10

Epilog: Der siebte der 7 Schmerzen
Einen Tag später, zurück im Alltag, ist der schneidende Abschiedsschmerz einer merkwürdigen Leere gewichen; ergänzt um ein etwas unerwartetes ZIEHEN IN DER SCHULTER.
Einordnung auf der Schmerzskala: 3 von 10

Ein Blick auf das noch nicht ausgepackte Gepäck lässt dann auch dessen Ursache erahnen: Der Stoffbeutel, mit dem die Edition Moderne ihre Kundschaft beschenkte, ist zwar schön rosa und mit seinem Aufdruck („Sit froh öpper machts“) ein fröhlicher Botschafter des Schwiizerdütschen. Für den mehrstündigen Transport kiloschwerer Einkäufe ist er ergonomisch gesehen allerdings nur mäßig geeignet. Aber immerhin begleitet mich auf diese Weise noch ein immaterielles Salon-Souvenir durch die Woche – und jedes Zwicken aktiviert eine der vielen wunderbaren Erinnerungen, die sich über die vier Tage angesammelt haben und nun nach und nach im Gehirn einsortiert werden.

Vier Tage Comic-Salon: Höchste Beanspruchung von Mensch und Material. Foto: ALLESFRESSER
Und so gilt für diesen Schmerz dasselbe wie für alle anderen hier penibel aufgelisteten: Gegenüber den ganzen schönen Erlebnissen beim Comic-Salon fallen sie überhaupt nicht ins Gewicht. Spätestens jetzt müssen wir deshalb zugeben, was aufmerksamen Lesenden natürlich schon längst aufgefallen ist: der Titel dieser Artikelreihe ist nur billigstes, unverschämtes Clickbaiting. Man hätte weitaus passendere finden können. Salon der tausend Freuden zum Beispiel. Allerdings hätte Google bei diesem Titel vermutlich die falsche Zielgruppe auf die Seite gespült. Obwohl – wer weiß…