Ringelpiez mit Armdrücken (und Comics)

Ein Comic-Ausflug nach Basel (2)

Ringelpiez mit Armdrücken (und Comics)
Ein Comic-Ausflug nach Basel (2)
27. Mai 2026

Im zweiten Teil unseres Reiseberichts verraten wir, was auf der Fantasy Basel geboten war, welche eidgenössischen Eigenarten dieser Convention eine ganz besondere Ausprägung geben und warum es sich auszahlen kann, vor dem Besuch noch ein paar Omnibusse zu stemmen.

Während in Deutschland inzwischen jeder Hinterhof mit S-Bahn-Anschluss seine eigene Comic Con hat, ist die Situation in der Schweiz, was das angeht, noch sehr viel übersichtlicher. Nimmt man das Fumetto als eher klassisches Comicfestival einmal heraus, bleibt die Fantasy Basel als einziger kräftig leuchtender Punkt auf der Convention-Landkarte. Was Qualität und Quantität des Gebotenen angeht, kann die allerdings locker mit den hiesigen Cons mithalten – und sie ist für Nerds und Nerdinen aus Deutschland schon allein deshalb einen Besuch wert, weil es einem dort ergeht wie ganz generell, wenn man sich in der Schweiz bewegt: vieles fühlt sich ganz ähnlich an wie zuhause, aber das eine oder andere hat dann schon eine sehr speziell eidgenössische Ausprägung.

Zwischen Kirmes und Food Truck-Festival: der Innenhof von Messehalle 2. Foto: ALLESFRESSER

Was beidseits der Grenze gilt: Den Comic tragen die Cons vor allem im Namen. Auch in den lärmig bunten Hallen der Fantasy Basel stehen andere Aspekte der Nerdkultur im Vordergrund – Filme, Serien, Games, dazu jede Menge Cosplay und asiatische Popkultur. Man kann echten Astronauten die Hand schütteln, einem Sternekoch auf der „Yummy Scrummy Stage“ bei der Arbeit zuschauen oder sich live und vor Publikum ein Tattoo stechen lassen. Und wo wir schon bei schmerzhaften Angelegenheiten sind: die Möglichkeit, sich mit den Mitgliedern der Armforce Basel (Wahlspruch „Drucke bis zum Zucke“) im Armdrücken zu messen, wurde dann doch erstaunlich wenig in Anspruch genommen. Den meisten verschämt vorbeischleichenden Comicnerds war vermutlich klar, dass sie erst noch etliche Omibus-Ausgaben ihrer Lieblingsserien stemmen müssten, um ihren Bizeps in einen konkurrenzfähigen Zustand zu bringen.

Im Oberarm liegt die Wahrheit. Foto: FANTASY BASEL – The Swiss Comic Con

Zusammengenommen lockten diese vielfältigen Attraktionen an den drei Festivaltagen nach Angaben der Veranstalter über 100.000 Besucher*innen in die Hallen. Dank breiter Gänge und großzügig angelegter Verpflegungsbereiche fühlte sich das Gewimmel aber trotzdem nie unangenehm gedrängt an. Ganz besonders galt das für den eigentlichen Comic-Bereich, in den sich nur ein überschaubarer Teil der Anwesenden verirrte – und das, obwohl durchaus bekannte Namen angekündigt waren; allen voran das spanische DC-Comics-Dreigestirn aus Jorge Jimenez, Daniel Sampere und Bruno Redondo. Dazu kamen neben vielen anderen der langjährige Spirou-Zeichner Yoann und die Lokalmatadoren Viktor Bogdanovic und Jared Muralt. Aus Deutschland angereist war Ingo Römling, der auch das offizielle Con-Plakat beisteuerte.

So etwas wie die spanische Armada des Superheldencomics: Daniel Sampere, Bruno Redondo und Jorge Jimenez (v.l.). Foto: ALLESFRESSER

Für alle, die der Comics wegen da waren, ergab sich daraus eine recht luxuriöse Situation: Auch prominente Namen, die beim Comic-Salon in Erlangen innerhalb kürzester Zeit von einer Menschentraube verschlungen würden, saßen weitgehend unbehelligt an ihren Tischen und hatten jede Menge Zeit, sich ausführlich und in Ruhe mit den angereisten Fans zu unterhalten.

Ein Star zum Anfassen: Der (nicht nur) Spirou-Zeichner Yoann. Foto: ALLESFRESSER

Comichändler und -verlage waren in den Hallen so gut wie gar nicht vertreten – mit einer erfreulichen Ausnahme: der im Kanton Bern ansässige Skinless Crow-Verlag ließ es sich nicht nehmen, dem Heimatmarkt sein reichhaltiges Programm zu präsentieren. Dessen Umfang ist umso beeindruckender, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Verlag erst seit etwa drei Jahren existiert und – wie viele Unternehmungen in der Branche – nebenberuflich und mit viel Idealismus betrieben wird.

Stimmung super, Verlagsprogramm super, alles super – der Stand des Skinless Crow-Verlags. Foto: Skinless Crow

Eine ruhige Insel inmitten des Messetrubels bildete die Ausstellung zu einem Comicwettbewerb, den die Fantasy Basel zusammen mit dem Cartoonmuseum Basel, Basel Tourismus und der Christoph Merian-Stiftung ausgelobt hatte. Über 300 Künstler*innen hatten poetische, ernste, lustige, herausfordernde und manchmal auch erfrischend alberne Beiträge zum Thema „Freundschaft“ eingereicht. Die besten davon wurden nicht nur auf der Messe präsentiert; sie zierten auch kunstvoll gestaltete Flaggen, die zentral in der Stadt auf der Mittleren Rheinbrücke im Wind flatterten (von dem schon an anderer Stelle die Rede war…).

Freundschaft in allen Facetten: die Ausstellung zum Comicwettbewerb. Foto: ALLESFRESSER

Diese unvollständige Zusammenstellung lässt es hoffentlich erahnen: wer grundsätzlich Lust auf Comic Cons hat und schon oft genug auf denen in Dortmund, Frankfurt, Berlin undStuttgart war, der sollte unbedingt auch einmal in Basel vorbeischauen! Mit einem Sicherheitshinweis allerdings: Wer selbst hin und wieder zum Zeichenstift greift, sollte beim Armdrücken lieber die andere Hand verwenden. Nur für alle Fälle.