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Wieviel Batman braucht der Mensch?

Internationaler Batman-Tag 2019
Für sein Alter hat er sich ganz gut gehalten: Am 21. September, dem internationalen Batman-Tag, feiert der Dunkle Ritter seinen 80. Geburtstag, und an den Ruhestand ist noch lange nicht zu denken. Grund genug für den ALLESFRESSER, den Fledermausmann in den kommenden Wochen in einer Reihe von Beiträgen zu würdigen. Los geht's mit einem Exklusivinterview mit Steffen Volkmer von Panini Comics, der uns erzählt, was die ungebrochene Faszination der Figur ausmacht, wie man zwischen Standard-, Luxus-, Sonder- und Sammlerausgaben den Überblick behält und was der Panini-Verlag zum Jubeltag für uns vorbereitet hat.

ALLESFRESSER: Stattliche 80 Jahre hat Batman inzwischen auf dem Buckel. Was hat die Figur an sich, dass sie auch nach dieser langen Zeit immer noch attraktiv für die Leser bleibt?

STEFFEN VOLKMER: Ich denke, das ist eine der am häufigsten gestellten Fragen und es gibt sogar diverse wissenschaftliche Untersuchungen, die sich damit auseinandersetzen. Ich glaube, ein wesentlicher Teil der Faszination geht davon aus, dass Batman ein Superheld ohne Superkräfte ist. Er eignet sich daher besser als alle anderen als Identifikationsfigur für die Leser. Außerdem der Nimbus, dass er mit allen anderen aufnehmen kann, egal wie stark sie sind, weil er den entsprechenden Intellekt mitbringt (ich persönlich mochte die Autoren nie, die an diesem Nimbus gekratzt haben … Für mich war immer klar: In einem „Battle-Royal“ der Superhelden kann es am Ende immer nur einen Sieger geben: Batman!). Auch der schmale Grat zwischen Gut und Böse, auf dem er wandelt, die Gefahr von Batman zum „Joker“ zu werden, übt große Faszination aus, weil auch das ihn sehr menschlich macht. Außerdem gibt sein Charakter die Möglichkeit viel zu erzählen und er hat die besten Schurken (ein Held ist immer nur so gut wie seine Gegner): Nicht umsonst reißen sich die größten Autoren darum, für Batman schreiben zu dürfen und nicht umsonst sind einige der besten Comic-Geschichten aller Zeiten Batman-Geschichten …

A:       Was für eine Rolle spielt Batman heute für Euch als Verlag – im Hinblick auf Auflage und Umsatz, aber auch darüber hinaus?

SV:      Batman ist, war und wird immer eines der Zugpferde im DC-Programm und damit bei uns sein. Mit seiner Bekanntheit und Beliebtheit gehört er zu den Top-3 der Superheldenfiguren und untermauert dies auch mit entsprechend guten Verkäufen.

A:       Und für Dich persönlich? 

SV:      Das habe ich oben ja schon etwas umschrieben. Zusammenfassen kann ich es vielleicht so: Er stand ganz am Anfang meiner Comic-Leidenschaft, gehört bis heute zu meinen absoluten Lieblingen und ich sehe keinen Grund, warum sich das jemals ändern sollte.

A:       Als Batman-Fan lebt man heute in paradiesischen Zeiten: praktisch alle Batman-Klassiker sind im Fachhandel zu bekommen, und wenn mal einer von der Bildfläche verschwindet, taucht er mit ziemlicher Sicherheit kurze Zeit später wieder auf – bevorzugt  als Luxusausgabe, übergroß oder mit Bonusmaterial… Zwischen Batman Deluxe, Batman Sonderband, Legenden des Dunkeln Ritters, Graphic Novel Collection und weiteren, außerhalb jeder Reihe laufenden Bänden verliert man da leicht mal den Überblick. Wie entscheidet Ihr denn, welcher Band in welcher Reihe bzw. in welcher Ausstattung auf den Markt kommt?

SV:      Das ist unterschiedlich. Oftmals steht da ganz simpel die Frage im Raum, wie oft man einen Titel schon aufgelegt hat. Irgendwann ist eine Sättigung erreicht – dann gibt es zwar noch Leser, die den Band nicht haben und kaufen würden, aber nicht mehr ausreichend, um eine Neuauflage sinnvoll kalkulieren zu können. Dann versuchen wir die Ausstattung dahingehend zu ändern, dass wir die potenzielle Käuferschaft doch noch erweitern können und/oder ggf. auch mit kleineren, dafür aber teureren Auflagen klarkommen können. Andere Überlegungen sind Events, wie Filme, Jubiläen, Messen, zu denen man speziell gestaltete Bände rausbringen kann, die einen Mehrwert bieten oder natürlich Sammlerkollektionen und Neubearbeitungen. Kriterien gibt es viele, aber nichts Standardisiertes – am Ende muss es sich vor allem kalkulieren lassen.

A:       Häufig sind diese Neuausgaben neu koloriert oder, noch erstaunlicher, auch neu übersetzt – was zunächst einmal verwundert, weil damit ja auch Kosten verbunden sind und nach meiner Einschätzung nur ein überschaubarer Teil der Comicleser eine richtig gute Übersetzung auch zu schätzen weiß. Was steckt da dahinter?

SV:      Außer dem Verkaufsargument, dass man nicht denselben Band in den Händen hält, den man schon hat, ist das auch eine Qualitätsfrage. Mit den Jahren verändern sich die Techniken (zum Beispiel bei Druck und Kolorierung), die Sprache und die Standards, die man an die Comics hat. Da Comics ein unglaubliches Zeitgeist-Medium sind, finde es sinnvoll, hier immer wieder „Updates“ zu bringen – immer mit dem Wunsch, die für die Zeit beste Version rauszubringen. Selbst die Amerikaner machen gerne (wenngleich seltener) Neubearbeitungen mit neuer Koloration und zum Teil überarbeiteten Texten, bisweilen sogar neuen Panels.

A:       Auch zum Batman-Tag habt Ihr wieder eine ganze Reihe interessanter Batman-Publikationen herausgebracht. Welche möchtest Du unseren Lesern besonders ans Herz legen?

SV:      Ich bin tatsächlich ein großer Fan der Deluxe-Ausgaben – ich mag einfach das große Format. Deswegen freue ich mich auf alle angekündigten Batman-Deluxe-Bände, vor allem aber den von Marini. „Der dunkle Prinz“ war für mich 2018 schon ein Highlight. Und ich mag wirklich die Neal Adams-HC-Kollektion im Schuber – das hat wohl damit zu tun, dass Neal Adams den Batman meiner Jugend gezeichnet hat – und ich bin gespannt auf „Der Batman, der lacht …“. Die Figur ist das Verrückteste, was mit seit langem untergekommen ist.

A:      Im nächsten Teil unserer Batman-Artikelreihe werden wir unsere ALLESFRESSER-Top Ten der besten Batman-Stories aller Zeiten aufstellen. In diesem Zusammenhang die unvermeidliche Frage: Was ist denn Deine ganz persönliche Lieblingsgeschichte aus der Historie des Dunklen Ritters?

SV:      Millers „Die Rückkehr des dunklen Ritters“ („The Dark Knight Returns“). Ich halte die Story für unerreicht im Batman-Universum, für eine der besten, wenn nicht die beste im Genre und auch eine der besten im Medium überhaupt. Diese Geschichte hat mir eine andere Sicht auf Comics eröffnet und gilt in meinen Augen zurecht als prägend für die gesamte 9. Kunst, weit über Superhelden hinaus. Für mich damals wie heute eine Sensation.

Steffen Volkmer ist PR- und Pressemanager bei Panini Comics in Stuttgart, der deutschen Heimat der Superheldencomics von Marvel und DC. Aber auch darüber hinaus ist er rastlos im Dienste des Comics unterwegs – zum Beispiel als Moderator der regelmäßig in Stuttgart und Böblingen stattfindenden Talkreihe „Comics & Bier“, in der es überraschenderweise um Comics und Bier geht.

Die Fragen stellte MB.

Abbildung © DC Comics