Gedanken über Comics,
grafische Literatur
und den ganzen Rest

Rezension

Die dicke Prinzessin Petronia

Krone der Schöpfung

Schon klar, Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry ist der Schutzheilige aller Gutwillig-Empfindsamen, und keiner anderen literarischen Figur verdanken wir auch nur annähernd so viele besinnliche Sprüche fürs Poesiealbum. Aber ehrlich gesagt ist das Kerlchen auch eine ziemlich pathetische Nervensäge. Wesentlich bodenständiger kommt da seine von Katharina Greve erdachte Cousine Petronia daher.[weiterlesen]
Sabrina

Apathie im Schraubstock

04. September 2019
Als Nick Drnasos SABRINA vor einem Jahr als erste Graphic Novel überhaupt für den renommierten Man Booker-Preis nominiert wurde, sorgte das für ein ziemliches Presseecho – was einerseits offenbart, dass der Kulturbetrieb den Comic zwar nicht mehr wie früher konsequent ignoriert, andererseits aber auch, dass es immer noch als bemerkenswerte Ausnahme wahrgenommen wird, wenn einmal einer echte literarische Qualitäten zeigt. Nun erscheint das Buch auf deutsch – und zeigt, dass der Roman, den eine Gesellschaft gerade braucht, auch mal ein Comic sein kann.[weiterlesen]
Guter Junge

Weihnachten bei den Waynes

23. Dezember 2018
Wenn der Duft von Weihnachtsgebäck und flackernder Kerzenschein die Stube erfüllen, geht mit den Autoren von Superheldencomics etwas Erstaunliches vor: Unvermittelt holen sie ihre Schützlinge heim aus den ewig tobenden, episch-blutigen Schlachten mit außerirdischen Weltenzerbrechern und packen sie in Geschichten, die vor Warmherzigkeit noch den letzten Schnee schmelzen lassen. Besonders gut funktionieren diese Stories erstaunlicherweise mit dem bärbeißigsten aller Helden, Batman himself. Auch dieses Jahr legt DC uns wieder eine Geschichte mit dem Dunklen Ritter unter den Baum, mit der man sich wunderbar die Zeit bis zur Bescherung vertreiben kann.[weiterlesen]
Am liebsten mag ich Monster

Der Trost von Ungeheuern

Wenn wie aus dem Nichts eine auch in Fankreisen vollkommen unbekannte Zeichnerin im Alter von 55 Jahren ihr Comicdebüt abliefert, für begeisterte Leser und euphorische Kritiken sorgt und alle wichtigen Preise der Branche abräumt, darf man das ohne Übertreibung als Sensation bezeichnen. Jetzt ist Emil Ferris’ Überraschungserfolg AM LIEBSTEN MAG ICH MONSTER auf deutsch erschienen – und zeigt, dass die über den Atlantik herübergewehten Lobeshymnen voll und ganz gerechtfertigt sind.[weiterlesen]
Black Hammer

Familienaufstellung mit Alien

Jeff Lemire als vielseitigen Comicschaffenden zu bezeichnen wäre, als würde man sagen, Superman sei ein ziemlich kräftiger Kerl. Die enorme künstlerische Bandbreite des kanadischen Zeichners und Autors erstreckt sich von den ruhigen, sensibel erzählten Geschichten aus dem ländlichen Kanada, mit denen er vor etwas mehr als zehn Jahren debütierte, über eigenwillige Fantastik wie SWEET TOOTH oder den UNTERWASSERSCHWEISSER bis zu Mainstream-Superheldencomics für Marvel und DC. Mit BLACK HAMMER bringt er nun die scheinbar widersprüchlichen Seiten seines Schaffens zur Deckung und liefert, kenntnisreich und melancholisch, seine ganz persönliche Sichtweise auf die Superheldencomics des Golden Age.[weiterlesen]
1986

Zeitmaschine

04. März 2018
Ungeduldig warten Fans weltweit auf die dritte Staffel der Netflix-Serie STRANGER THINGS. Wer auch in der Zwischenzeit nicht auf die Mischung aus 80er-Jahre-Nostalgie, Rollenspieler-Nerdtum und sanftem Grusel verzichten möchte, die die Reihe zum Überraschungserfolg gemacht hat, für den hat der ALLESFRESSER einen passenden Comictipp. Und nein, es geht nicht um PAPER GIRLS.[weiterlesen]
Kill Or Be Killed

Von inneren und äußeren Dämonen

27. November 2017
Wer sich für intelligent erzählte Hochspannungskrimis interessiert, kommt an Ed Brubaker und Sean Phillips nicht vorbei. Mit der legendären Serie Criminal haben die beiden das Genre des Noir-Comics auf höchstem Niveau neu definiert, in Sleeper oder Fatale durch die Kreuzung mit Superhelden- und Horrorcomic um faszinierende Facetten bereichert. In ihrer neuen Reihe Kill Or Be Killed wagen sie sich nun auf das verminte Gelände des Selbstjustiz-Thrillers und stellen einige unbequeme moralische Fragen.[weiterlesen]
Providence

Monstrositäten der Metaebene

26. Oktober 2017
Wenn Alan Moore und Jacen Burrows den Leser auf eine Reise durch Neuengland nehmen, bekommt man von den üblichen touristischen Attraktionen nicht besonders viel zu sehen. Statt farbenprächtiger Sonnenuntergänge, ehrwürdiger Kolonialarchitektur und Indian Summer präsentieren sie düstere, seltsam abweisende Küstenstädte, zusammengesetzt aus windschiefen Holzhäuschen, hinter deren blinden Fenstern namenlose Schrecken lauern. Man ahnt es schon: sie wandeln auf den Spuren von H.P. Lovecraft, der den Landstrich im Nordosten der USA mit seinen Horrorgeschichten unsterblich gemacht hat. Oder sollte man eher sagen: untot?[weiterlesen]
Tales from the Loop – Things from the Flood

Retrofuturismus auf Schwedisch

03. Oktober 2017
Gesellschaftliche Utopien zu entwickeln traut sich dieser Tage kaum jemand. Macht nichts, der kreative Geist kann sich ja der Vergangenheit zuwenden. Simon Stålenhag entführt in ein Schweden der 80er Jahre, das es so nie gegeben hat. Seine beiden Bände „Tales from the Loop“ und „Things from the Flood“ zeigen eine Kindheit im Schatten einer geheimnisvollen wissenschaftlichen Anlage – „The Loop“.[weiterlesen]
Kobane Calling

Gürteltier im Kriegsgebiet

26. August 2017
Es gibt lustige Comics, spannende Comics, unterhaltsame Comics. Hin und wieder gibt es sogar einen Comic, der uns die Welt, in der wir leben, verständlicher macht. "Kobane Calling" ist das alles. Und noch ein bisschen mehr.[weiterlesen]
The Black Monday Murders

Finanzkrise mal anders: Heil Dir, König Mammon!

20. Juli 2017
In der Image-Reihe The Black Monday Murders liefern Jonathan Hickman und Tomm Coker eine Erklärung für die Fragilität der Finanzwirtschaft, die beinahe so gruslig ist wie die Wirklichkeit.[weiterlesen]