Gedanken über Comics,
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und den ganzen Rest

Countdown to Erlangen – Teil 3

18. Internationaler Comic-Salon Erlangen
Der abschließende Teil unserer Erlangen-Vorschau gibt noch zwei weitere Tipps für einen gelungenen Besuch beim Internationalen Comic-Salon, weist aber vor allem darauf hin, was man dort sicherheitshalber lieber bleiben lassen sollte. Und sagt hinterher nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt!

Bevor wir uns den Sicherheitshinweisen zuwenden, zunächst aber noch zwei Dinge, die man während der vier Erlangen-Tage auf jeden Fall machen sollte:

9. Sich überraschen lassen

Mit der offiziellen Salon-Website, der VGN-Fahrplan-App, einem Master-Studium in Projektmanagement und den Hinweisen auf diesem Blog sollte es eigentlich jedem möglich sein, den Erlangen-Besuch minutengenau durchzuplanen. Muss man aber gar nicht. Viel besser ist es nämlich, auch mal ziellos durch die Gänge zu schlendern und sich überraschen zu lassen, was da alles so am Wegesrand blüht – neue Zeichnerinnen und Zeichner kennen zu lernen, sich auf Genres einzulassen, mit denen man normalerweise nichts am Hut hat und über die enorme Vielfalt an grafischen Ausdrucksformen staunen, die man in Erlangen regelmäßig präsentiert bekommt. Also: Raus aus der Filterblase!

10. Danke sagen

Trotz der Mehrkosten, die dieses Jahr durch die aufwendige Unterbringung der Messe in Zelten entstehen, hat die Stadt Erlangen ihre Unterstützung des Comic-Salons offensichtlich nie in Frage gestellt. Angesichts der leeren Kassen, mit denen alle Kommunen heutzutage zu kämpfen haben, muss man ihr das hoch anrechnen. Wer also Oberbürgermeister Dr. Janik, die Stadträtinnen und Stadträte oder Festivalleiter Bodo Birk und seine Mitstreiter trifft, darf ihnen dafür ruhig mal seinen Dank aussprechen. Und, damit Erlangen nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich etwas vom Salon hat, gerne auch etwas Geld in der Stadt lassen. Siehe z.B. Punkt 8.

Das waren also die ALLESFRESSER-Top Ten-Tipps, mit denen einem erfolgreichen Salonbesuch nichts mehr im Wege stehen sollte. Obwohl, ein paar Punkte gibt es noch zu beachten. Kommen wir zu den drei Dingen, die man im Interesse der eigenen körperlichen und geistigen Gesundheit lieber bleiben lassen sollte.

1. Zu Max und Moritz und Hella gehen

Aus irgendwelchen Gründen sind einige Leute der Meinung, Hella von Sinnen sei a) einigermaßen unterhaltsam und kenne sich b) gut mit Comics aus, was sie c) dafür qualifiziert, nun schon zum wiederholten Mal die Max und Moritz-Gala zu moderieren. Wer die Punkte a) und b) anzweifelt, was man mit einer gewissen Berechtigung durchaus tun darf, bleibt am Freitagabend vielleicht lieber im Hotel.
Wer ein robustes Nervenkostüm und niedrigen Blutdruck hat und im Notfall das Hirn auch mal auf Durchzug stellen kann, der kann natürlich trotzdem ins Markgrafentheater gehen. Immerhin ist die Gala das Oscarmäßigste, was die deutsche Comicszene zu bieten hat. Und die Preisträger haben’s in jedem Fall verdient, dass man ihnen applaudiert.

2. Am Sonntagvormittag zur Signierstunde kommen

Auch am 3. Juni stehen von 9 Uhr morgens an etliche Signierstunden im Kalender. Diese Termine sollte man aber vielleicht nicht ganz so ernst nehmen. Ganz grundsätzlich ist zwar nichts gegen den Sonntagvormittag einzuwenden. Das Ungünstige ist nur, dass er so kurz nach dem Samstagabend kommt. Und den nutzen viele der Kreativen ganz gerne und mit gutem Recht, um nach drei anstrengenden Messetagen endlich mal gemeinsam zu feiern. Was sich wiederum auf ihre Bereitschaft (oder Befähigung) auswirkt, sonntags pünktlich aufzustehen. Kein seltener Anblick sind deshalb verwaiste Signiertische mit irritierten Wartenden davor und hektisch telefonierenden Verlagsmitarbeitern dahinter, die sich aktuelle Wasserstandsmeldungen durchgeben lassen („Sie hat sich schon bewegt. Ich glaube, sie wacht gleich auf“, oder „Jemand hat ihn in der Nähe des Bahnhofs gesehen“). Sollte der Langerwartete dann doch noch auftauchen, ist er aber vermutlich ohnehin nicht in der Lage, einen Stift zu halten. Von daher: am Sonntagvormittag lieber was Anderes machen. Oder noch besser: Samstags mitfeiern und dann auch ausschlafen.

3. Stickerzombie werden

Eigentlich ist es ja eine nette Idee, zum Comic-Salon ein Sammelalbum aufzulegen, in dem sich die teilnehmenden Künstler und Verlage mit lustig-bunten Aufklebern präsentieren können. Man hätte sich aber auch mal vorher überlegen können, was passiert, wenn man sowas einer Zielgruppe vorsetzt, die ohnehin schon zur Sammelwut neigt. Jedenfalls marodieren seither regelmäßig furchterregend-seelenlose Stickerzombies durch den Comic-Salon. Zielsicher  steuern sie die an den Ständen und in Ausstellungen ausliegenden Aufkleber an, raffen sie knurrend, der menschlichen Sprache nicht mehr mächtig, an sich und wanken ohne Blick für die Schönheit der Exponate oder den Schrecken in den Augen des Standpersonals wieder davon. Erst wenn sie den letzten Aufkleber mit zittrigen Fingern ins Album geklebt haben, erwachen Sie aus ihrem Wahn – nur um festzustellen, dass rundherum gerade die letzten Messestände abgebaut werden und sie das ganze schöne Spektakel verpasst haben. Heilmethoden für das Fieber sind bisher nicht bekannt. Die einzige Lösung besteht also darin, gar nicht erst mit dem Sammeln anzufangen. Keine Macht den Klebern!

So, damit solltet Ihr für Eure Reise zum größten deutschen Comic-Event bestens gewappnet sein und könnt Euch nun ans Kofferpacken machen. Ach, und falls Ihr mehrere Koffer zur Auswahl habt: nehmt den größeren. Die ganzen Neuerwerbungen, Sonderangebote, Mitbringsel, Schnäppchen, limitierten Editionen und Sammlerstücke wollen ja irgendwie untergebracht werden.

 

Die ersten beiden Teile der Erlangen-Vorschau sind hier und hier zu finden.

Bildquellen:
1, 3: © Internationaler Comic-Salon Erlangen
2, 4: © ALLESFRESSER