Gedanken über Comics,
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Countdown to Erlangen – Teil 1

18. Internationaler Comic-Salon Erlangen 2018
In einer Woche ist es endlich wieder soweit: in Erlangen beginnt der 18. Internationale Comic-Salon – wie immer mit einem vollen und abwechslungsreichen Programm, mit sehenswerten Ausstellungen und Künstlern aus aller Welt. Damit Ihr bei diesem Angebot den Überblick behaltet, sagt Euch der ALLESFRESSER, was man auf keinen Fall verpassen darf – und auch, was man besser bleiben lässt.

Satte 21 Ausstellungen, 563 Signierstunden und 206 sonstige Veranstaltungen listet die Website des Comic-Salons aktuell. Wer alle vier Tage dabei ist, durch die Stadt hetzt wie Flash persönlich und auf Schlaf komplett verzichtet, kann grob geschätzt durchaus bis zu einem Drittel des Programms mitnehmen. Alle anderen müssen wohl oder übel eine Auswahl treffen. Als kleine Hilfestellung deshalb hier die Top Ten der ALLESFRESSER-Empfehlungen: Was man während seines Festivalbesuchs unbedingt machen sollte!

1. Kucken, was Kanada kann

Wer nicht schon selbst dort war, dem fallen zu Kanada wahrscheinlich nur die üblichen Klischees ein: das Land ist riesig, eiskalt, in weiten Teilen eher ländlich geprägt, und die Leute mögen Eishockey. Dass es dort auch eine rege Comicszene gibt, kann man nun bei einer ganzen Reihe von Vorträgen und Künstlergesprächen erfahren, die dem Ahornstaat gewidmet sind. Etliche Comicschaffende sind anwesend, angeführt von dem auch in unseren Breiten inzwischen recht prominenten Jeff Lemire. Der ist übrigens bekannt geworden mit Comics, die vom Leben in den weiten, kalten, ländlich geprägten kanadischen Provinzen handeln. Und von Eishockey. Wusste ich’s doch.

2. Sich von Marc-Antoine Mathieu verwirren lassen

Wer nur Garfield oder Conan den Barbar kennt und Comics deshalb eher unterkomplex findet, kann es ja mal mit einem Band von Marc-Antoine Mathieu versuchen. Der Franzose macht aus jedem seiner Bücher ein erzählerisches Experiment. Mit seinen surrealen Geschichten und erfindungsreichen Erzählstrukturen fordert er den Leser, unterhält ihn aber zugleich bestens, und entlässt ihn schließlich wieder irritiert, aber um einen neuen Blickwinkel bereichert, in die Wirklichkeit. Beim Comic-Salon kann man Mathieus Werk in der Ausstellung „Marc-Antoine Mathieu: Gefangener der Träume“ in der dritten Dimension und in virtuellen Realitäten erkunden und, sofern man wieder herausfindet, sich bei einem Künstlergespräch vom Meister selbst erklären lassen, was er uns eigentlich sagen will.

3. Nach den Kleinen schauen

Auch wenn der Comicmarkt dominiert wird von drei, vier großen Verlagen – das Salz in der Suppe sind die zahllosen Kleinverleger, die mit wenig Manpower, aber dafür umso mehr Einsatz und Idealismus zur unglaublichen Vielfalt in den Regalen beitragen. Wer die Köpfe hinter diesen Medienkonzernen en miniature kennen lernen will, hat dazu in Erlangen beste Gelegenheit – und kann z.B. mit Eckart Schott (Salleck) über die besten Oldtimer-Zeichner fachsimpeln, Josua Dantes vom gleichnamigen Verlag fragen, wie mutig man sein muss, um heute noch einen Comicverlag zu gründen, Holger Bommer von Gringo Comics gestehen, dass man Kommissar Fröhlich und Kommissar Eisele nicht auseinanderhalten kann, im Gespräch mit Levin Kurio (Weissblech Comics) herausfinden, wie man als Ein-Mann-Verlag derart produktiv sein kann, oder mit den Zwerchfell-Leuten den dreißigsten Verlagsgeburtstag feiern.

4. Schlange stehen

Wer regelmäßig auf Comicfestivals geht, ist in dieser Hinsicht ja abgehärtet, aber man kann sich schon fragen, wie sinnvoll es ist, etliche Stunden kostbarer Lebenszeit in nicht enden wollenden Schlangen vor den Signiertischen zu verbringen. Insbesondere wenn man sich klarmacht, dass auch ein mittelbegabter Grundschüler bei mehrminütigem Nachdenken durchaus auf zwei bis drei praktikable Möglichkeiten kommen würde, wie sich so eine Signierstunde auch ohne Anstehen zur Zufriedenheit aller Beteiligten organisieren ließe. Irgendwelche höheren Wesen scheinen das aber zu verhindern, und so bleibt dem Autogrammjäger nur, mit buddhistischer Gelassenheit hinzunehmen, was er ohnehin nicht ändern kann. Und es hat ja auch was Gutes: Man ist immerhin in netter Gesellschaft und hat ein gemeinsames Gesprächsthema.

Weitere geht es im zweiten und dritten Teil des Erlangen-Countdowns!

Bildquellen:
1 © Internationaler Comic-Salon Erlangen
2 © Jeff Lemire
3 © Marc-Antoine Mathieu
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